Die Eule brĂŒtet keine Nachtigallen aus, so sagt man. Also darf es nicht verwundern, wenn Hans-Peter Uhl (CSU) jetzt erneut in der WELT die Fehlgeburt des letzten Wahlkampfes, nĂ€mlich Netzsperren im Kampf gegen Kinderpornographie, noch einmal fĂŒr eine gelungene Idee hĂ€lt.
Soweit, so verstĂ€ndlich. Wenig VerstĂ€ndnis habe ich dafĂŒr, mit welchen ‘Argumenten’ Hans-Peter Uhl Netzsperren verteidigt. Er vermeint zu wissen:
“Das Gelöschte wird vorher auf Computer heruntergeladen und taucht spĂ€ter an vielen neuen Stellen wieder auf. Man kann im weltweiten Netz nichts weltweit löschenâ
Nun ja, Inhalte die gelöscht werden, sind erst einmal nicht mehr verfĂŒgbar – und zwar weltweit nicht mehr. Dies im Ăbrigen im Gegensatz zu Sperren, die immer nur lokal fĂŒr denjenigen wirken können, der sie nicht umgehen möchte.
Was aber nicht erklĂ€rt wird und von Hans-Peter Uhl wohl auch mit Sicherheit nicht erklĂ€rt werden kann: Wieso sollte sich ein Anbieter durch Sperren beeindrucken lassen, also nicht etwa einfach die Inhalte auf eine andere Domain oder einen anderen Server umziehen? Hans-Peter Uhl mĂŒsste folgende These behaupten und in der öffentlichen Diskussion auch verteidigen: ‘Gesperrte Inhalte tauchen nicht wieder erneut an anderer Stelle im Netz auf’. Auf eine öffentliche Diskussion dieser These freue ich mich schon jetzt.
Abgesehen davon verschleiert Uhl – vermutlich bewuĂt – die dahinter stehende Problematik. Wer nĂ€mlich verhindern will, dass Inhalte erneut im Netz auftauchen, muss schlicht die internationale Strafverfolgung der TĂ€ter effektiver gestalten. Das ist die Aufgabe des BKA.
Im Showdown um das Zugangserschwerungsgesetz greifen offensichtlich die Hardliner der Union zu jedem Mittel. Neu und ungewöhnlich ist jetzt aber der direkte Angriff auf die FDP und die Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger. Jedem dĂŒnkt seine Eule ein Falke. Aber die Union sollte aufpassen, dass sie mit solchen Hardlinern nicht den Anschluss an die RealitĂ€t verliert. RealitĂ€t ist die schwarz-gelbe Koalition und ein breiter gesellschaftlicher Konsens gegen Netzsperren.
Zum gleichen Thema siehe auch:Â http://www.netzpolitik.org/2010/csu-innenexperte-uhl-loeschen-ist-keine-loesung/

