Mai 30

Ambrose Bierce hat einmal formuliert, „beten heiße darum zu bitten, dass die Gesetze des Universums wegen eines einzigen, eingestandenermaßen unwĂŒrdigen Bittstellers außer Kraft gesetzt werden.“ Inzwischen scheint man auf Verlegerseite in Sachen Apple und iPad Apps vom Beten Abstand zu nehmen. Die anfĂ€ngliche Begeisterung der Verleger ist einer geboten kritischen Betrachtung gewichen.

Heise berichtet, die Verleger wĂŒrden wegen der strengen Kontrolle der Inhalte auf dem iPad durch Apple nun das GesprĂ€ch mit Steve Jobs suchen. Offensichtlich wollen sich die Verleger nicht zu Inhaltelieferanten von Apples Gnaden degradieren lassen und kritisieren die „Zensur“, die Apple auf dem iPad ausĂŒbt.

Marcel Weiss berichtet zugleich in seinem Blog Neunetz.com darĂŒber, wie andere Apps den Verlegern das Wasser abzugraben drohen, weil fĂŒr die Inhalteproduktion – so der Kern des Beitrags – „natĂŒrlich auch auf dem iPad die nahezu gleichen Marktdynamiken zutreffen, wie man sie im Netz antrifft.“ Und er ergĂ€nzt:

„Der einzige wesentliche Unterschied liegt in Apples zentralisiertem Ansatz mit anhĂ€ngendem Zulassungs-Prozess fĂŒr den Appstore.“

Unterdessen berichtet Focus Redakteur Torsten Kleinz ĂŒber die technischen RĂŒckentwicklungen, die die Hardwarehersteller, wie zum Beispiel Apple, vollziehen, um den Stand bereits erreichter technologischer Freiheiten zurĂŒckzuschrauben. Inhaltlich geht es natĂŒrlich darum, die Kontrolle, „die Apple ĂŒber sein Produktuniversum hat, (…)  immer wieder in klingende MĂŒnze“ umzusetzen.

Vielleicht hilft demnÀchst den Nutzern und Konsumenten nur noch Beten.

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Apr 11

Es gibt Tage, da kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Es sind dies Momente, wo das unfreiwillig Komische mit dem zeitlich Überraschenden oder Unerwarteten koinzidiert.

In dieser Woche hat sich wieder Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG zu Wort gemeldet. Wir erinnern uns. Der Axel Springer Konzern hat in diesem Jahr ein gutes Konzernergebnis erzielt und dabei insbesondere Umsatz und Gewinn im digitalen Umfeld gesteigert. Nichts destotrotz tingeln seit Monaten die Lobbyisten der Verleger und insbesondere auch von Axel Springer durch die Lande und fordern per Leistungsschutzrecht eine neue Abgabe auf InternetanschlĂŒsse. Heise berichtet:

„Keese [Cheflobbyist der Axel Springer AG] zeichnete ein dĂŒsteres Bild des Online-Journalismus in Deutschland. Alles in allem machten deutsche Verlage mit ihren journalistischen Online-Angeboten gerade einmal 200 Millionen Euro Umsatz. ‚Das ist kein gutes GeschĂ€ft. Man kann mit Journalismus im Internet derzeit nicht verdienen.'“

Es bleibt natĂŒrlich offen, wie sich dieses Jammern und Wehklagen mit dem guten operativen Ergebnis der Axel Springer AG auch und gerade im Internet vertrĂ€gt. Wie dem auch sei –  am Dienstag, den 06.04. meldet sich jetzt Mathias Döpfner mit folgender Lobpreisung von Apples iPad zu Wort:

„Ich denke, dass sich jeder Verleger dieser Welt einmal am Tag hinsetzen und beten sollte, um Steve Jobs zu danken, dass er die Verlagsindustrie rettet“.

Also, die Verlagsindustrie wartet offenbar seit Jahren darauf, dass Steve Jobs das Apple iPad auf den Markt bringt, um die Verlagsindustrie und den QualitÀtsjournalismus zu retten. Wie bitte?

Angesichts dieses Gesamtbildes verwundern die Äußerungen von Mathias Döpfner doch. Je erfolgreicher Apple wird, desto mehr begeben sich die Verleger mit iPhone/iPad Applikationen in eine babylonische Gefangenschaft.

Und die Pointe: Die Applikation des Springer Verlages fĂŒr das iPad funktioniert nicht einmal besonders gut. Bei netzwertig.com lautet das ResĂŒmee:

„Insgesamt muss man der ‚Welt‘-App in der heutigen Form leider das PrĂ€dikat ‚unbrauchbar‘ verleihen. (…) Die offensichtlich hinter der Applikation steckende GrundmentalitĂ€t, einfach die gedruckte Zeitung eins zu eins aufs iPad bringen zu wollen, ist desaströs.“

Man ist angesichts dessen geneigt, die Äußerungen von Döpfner als subtile Form der Selbstkritik zu verstehen. Zur Rettung der Verleger von QualitĂ€tsjournalismus hilft offensichtlich auch nach deren Meinung nur noch: Beten.

Lichtblick: Gruner & Jahr misstraut offensichtlich Apple und setzt auch auf des Konkurrenzprodukt WePad von des deutschen Anbieters Neofonie. Das WePad lĂ€uft mit dem Betriebssystem Android von – Google.

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