Jun 25

Dieter Gorny, die Verbalhaubitze der Verwertungsindustrie und Experte in Sachen „Digitaler Maoismus„, fordert jetzt staatliches WLAN (!?) f√ľr alle – bezahlt mit GEZ-Geb√ľhren.

Pers√∂nlich bin ich ja skeptisch, wenn jemand, der die Vorratsdatenspeicherung bef√ľrwortet, sich dann auch noch f√ľr ein √∂ffentlich-rechtliches WLAN einsetzt. Und wer gleichzeitig f√ľr „Netzneutralit√§t“ und f√ľr „3strikes“ eintritt, hat sowieso keine netzpolitische Glaubw√ľrdigkeit.

Entscheidend scheint mir aber zu sein, dass die Verluste durch friendly fire bei diesem Diskussionsvorschlag höher sind, als der Erfolg, der erreicht werden könnte.

Bei Internetzug√§ngen gibt es einen funktionierenden Wettbewerb und der Wettbewerb der Provider orientiert sich nat√ľrlich an der Nachfrage der Kunden. Der Kunde hat die Wahl.

Bei den von der Verwertungsindustrie kontrollierten kulturellen Inhalten kann der Kunde leider nicht w√§hlen. Die meisten Inhalte sind entweder nicht oder nicht bequem und ganz sicher auch nicht zu ad√§quaten Preisen im Internet zug√§nglich. Falls denn also Dieter Gorny wahrhaftig der Meinung sein sollte, „In allen Fragen gilt f√ľr mich: Eine demokratische Entscheidung ist mir lieber, als eine √∂konomische‚ÄĚ, und wenn es denn richtig ist, dass Dieter Gorny pl√∂tzlich eine offene Diskussionsbereitschaft bei sich entdeckt h√§tte: Reden wir √ľber die Kulturflatrate.

Bei dem Zugang zu Inhalten gibt es auf Seiten der Anbieter ein Versagen des Marktes – nicht beim Zugang zum Internet. Also reden wir doch lieber √ľber die Kulturflatrate!

 

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Jun 05

Es mehren sich die Anzeichen, dass das geplante „Leistungsschutzrecht“ f√ľr Presseverleger demn√§chst tats√§chlich in einen konkreten Gesetzgebungsvorschlag des Bundesjustizministeriums m√ľnden wird.¬† Wie CARTA unter Bezugnahme auf ein Interview mit der Bundesjustizministerin berichtet hat, soll es zumindest eine „Abgabepflicht auf Snippets“ geben.

Auch wenn sich die Verleger damit nicht mit ihren weitergehenden Vorstellungen f√ľr ein Art Presse-GEZ („Holzmediensoli“) h√§tten durchsetzen k√∂nnen, bliebe das geplante Leistungsschutzrecht doch ein schwerwiegender Eingriff – bedeutet es doch, dass zuk√ľnftig die Verlinkung auf ein Angebot der Presseverleger potentiell kostenpflichtig wird. „Snippets“ sind ja nichts anderes als Links in der „Extended Version“.¬† Wie l√§sst sich nun vermeiden, dass das „Leistungsschutzrecht“ zu einer Art Kostenfalle kraft Gesetzes bei Verlinkung wird.

Mein Vorschlag: Warum nimmt sich das „Leistungsschutzrecht“ nicht ein Beispiel am Jugendmedienschutzstaatsvertrag (JMStV).

Vorschlag f√ľr ein Labeling der Angebote von Presseverlegern

Wenn die Verlinkung auf ein Angebot der Presseverleger kostenpflichtig wird, sollten die Verleger ihre Online-Inhalte entsprechend kennzeichnen.

 

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Jun 05

So ziemlich jeder Mensch, der mit wachen Sinnen durch das Leben geht, blickt wohl gelegentlich hinter sich und sucht die¬† versteckte Kamera. Und wer im Berufsleben steht, wird sich wohl das eine oder andere Mal fragen: Ist das wirklich wahr, was hier gerade passiert? Steht das wirklich in der E-Mail, was ich da gerade gelesen habe? Und was zum Teufel macht das wei√üe Kaninchen hier im B√ľro?

In einer solchen Anwandlung abstruser Fragestellungen habe ich k√ľrzlich das Buch von Jim Baggott „A Beginner’s Guide to Reality“ gelesen. Es schadet ja prinzipiell nicht, wenn man bei einer Frage gleich mal mit dem ganz Grunds√§tzlichen beginnt – pragmatische Antworten finden sich ja auch ohne Nachdenken von selbst.

Nun, √ľber dieses Buch bin ich auf ein Gedankenexperiment des Philosophen Hilary Putnam gesto√üen. Dieses Gedankenexperiment ist bekannt als „Brain in vat“ und findet sich in Filmen wie Matrix oder auch „The 13th Floor“ (in Deutschland verfilmt von Rainer Werner Fassbinder „Welt am Draht„) wieder. Die Grundidee ist, dass ein „b√∂ser Wissenschaftler“ das Gehirn eines Menschen in einem Tank mit einer N√§hrl√∂sung aufbewahrt und dieses Gehirn nun √ľber einen Computer mit elektronischen Reizen derart gef√ľttert wird, dass das Gehirn (der Teil des Menschen, dem man Bewu√ütsein zuspricht) denkt, es esse zum Beispiel gerade ein leckeres Vanilleeis.

Der Philosoph Nick Bostrom hat sich daran anschlie√üend mit der Frage besch√§ftigt, wie wahrscheinlich es ist, dass wir, also eigentlich nat√ľrlich nur ich, der ich dies hier schreibe, ein Gehirn bin, dass in einem gro√üen Marmeladenglas auf dem Tisch eines b√∂sen Wissenschaftlers steht und von einem Computer mit Reizen gef√ľttert wird. Der Titel des Aufsatzes lautet „Are you living in a Computer Simulation?„.

Die Schlußfolgerung dieses lesenswerten Aufsatzes lautet, dass zumindest eine der folgenden drei Annahmen richtig ist:

  1. Die Menschheit stirbt aus, bevor sie das technologische Stadium erreicht, um Computer-Simulationen der Welt ihrer Vorfahren bauen zu können, oder
  2. die Menschheit erreicht dieses technologische Stadium, wird aber keine Computer-Simulation der Welt ihrer Vorfahren bauen, oder
  3. die Menschheit erreicht das technologische Stadium, um solche Computer-Simulationen zu bauen und tut dies dann auch, dann aber leben wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in einer solchen Computer-Simulation.

Wie gesagt: Die These des Aufsatzes ist nur, dass mindestens eine der drei oben genannten Annahmen zutreffend sein muss. Ich pers√∂nlich pr√§feriere aber die letzte der drei Annahmen. Oder ist es etwa nicht mehr als nur gelegentlich tr√∂stlich, davon auszugehen, dass die Mails, die einen etwa im Berufsleben t√§glich erreichen, dem Computer eines „b√∂sen Wissenschaftlers“ entstammen, aber nicht wirklich real sind.

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What’s the scientifc purpose of keeping a head alive in jar?

Brain in a vat. (C) 2004 by David Farley

 

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