Jun 25

Das Blog von mspro ist von den FAZ-Seiten verschwunden. Und der Vorgang provoziert neben H√§me auch eine ausgedehnte sachliche Debatte. Ich w√ľnsche sowohl mspro, als auch der FAZ, dass es gelingen m√∂ge, die Differenzen in der Sache zu √ľberwinden und zu einer Einigung zu kommen. Deshalb m√∂chte ich hier nur kurz auf zwei Punkte aufmerksam machen:

1. Creative Commons und die Non-Commercial Lizenz

Die Blogbeitr√§ge hier standen urspr√ľnglich ebenfalls unter NC-Lizenz, was bekanntlich eine „kommerzielle Nutzung“ ausschlie√üt. Genau diese Creative Commons Variante war urs√§chlich f√ľr die Abschaltung des Blogs von mspro. Bereits vor dieser Auseinandersetzung bin ich, dank eines Hinweises bei Felix Neumann, darauf aufmerksam geworden, dass die NC-Lizenz problematisch ist, weil sie

  • die Verbreitung der Inhalte einschr√§nkt,
  • dabei eine urheberrechtliche Falle f√ľr Dritte darstellen k√∂nnte,¬† die die Inhalte verwenden, und
  • zugleich ohnehin nicht dazu beitr√§gt, mit den Inhalten Geld zu verdienen.

Um auf den letzten Punkt noch einmal gesondert einzugehen: Ich m√∂chte mit den Texten hier kein Geld verdienen. Ich freue mich √ľber jeden Leser und jeden, der die Inhalte gut findet, weiterverbreitet oder verarbeitet. Wenn ich aber (insbesondere bei Bildern) wirklich eine kommerzielle und das heisst auch werbefinanzierte Nutzung ausschlie√üen wollte, w√§re es kl√ľger, die Inhalte nicht so ins Netz zu stellen. Insbesondere bei Bildern w√ľrde es sich dann eher anbieten, den Weg √ľber Bildagenturen zu w√§hlen.

Was mich √§rgern w√ľrde w√§re, wenn jemand mit meinen Texten wirklich viel Geld (und Ruhm etc.) erringt – aber sind wir mal ehrlich: das ist nun wirklich nicht wahrscheinlich. Deshalb habe ich den Kontrollverlust akzeptiert und die Texte hier unter die schlichte CC-BY gestellt.

2. Markenimage der FAZ

Die Frage, die sich nun scheinbar auch die FAZ neu zu stellen scheint, ist, weshalb sie √ľberhaupt Bloggern einen Raum gibt. Und der Grund scheint mir einfach derjenige zu sein, dass – entsprechend einer bei Mashable.com er√∂rterten Strategie – die FAZ √ľber diesen Weg ihre Inhalte diversifiziert und die Anzahl der Pageviews – zu geringeren Kosten – erh√∂ht. Letztendlich nat√ľrlich mit dem Ziel, die Werbeeinnahmen zu erh√∂hen.

Der Nachteil dieser Strategie besteht eben darin, dass die von Bloggern ver√∂ffentlichten Inhalte m√∂glicherweise das Markenimage der FAZ besch√§digen k√∂nnen. Und auch wenn es entgegen einem ersten Tweet in Aufregung nicht die Inhalte waren, so w√§re es nat√ľrlich dem Image der Marke „FAZ“ nicht zutr√§glich, wenn Bilder unter Versto√ü gegen das Urheberrecht, also quasi „raubkopiert“, ver√∂ffentlicht w√ľrden (auch wenn das bei der FAZ gelegentlich auch so mal passieren k√∂nnte).

Mit diesem Kontrollverlust sollte die FAZ nun etwas souveräner umgehen, es handelt sich nämlich trotz gegenteiliger Stellungnahme der FAZ um ein unvermeidbares Problem.

Und so endet dieser Beitrag auch mit den Worten von Robin Meyer-Lucht bei Carta:

Die F.A.Z. hat ein sehr beachtliches Blog-Projekt auf die Beine gestellt. Es ist daher zu hoffen, dass beide Seiten aus der Sache lernen und sich wieder berappeln.

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Apr 13

Blankes Entsetzen! Am heutigen Tage ist ein Interview mit Cecilia Malmstr√∂m erschienen. Jener EU-Kommissarin, die wegen ihres Richtlinienvorstosses zu Gunsten von EU-weiten Netzsperren inzwischen den Beinamen „Censilia“ tr√§gt.

Kaum verwundert war ich √ľber das Ver√∂ffentlichungsorgan – die FAZ nat√ľrlich, die bereits im Januar, den Rollback in Sachen Netzsperren und Zugangserschwerungsgesetz eingel√§utet hatte. Meine Erwartungen waren also gering, aber sie wurden tats√§chlich nicht nur unterboten. Vielmehr war ich entsetzt dar√ľber, wie anstatt der erwarteten Rudimente liberaler Vernunft eine brachial-autorit√§re Polemik tonangebend war, die nur einem Zweck zu dienen scheint: Rational begr√ľndeten Widerspruch gegen Netzsperren zu marginalisieren und letztlich mundtot zu machen.

Zu den harmloseren Vorw√ľrfen geh√∂rt zun√§chst, dass Censilia Malmstr√∂m Gegnern ihres Vorschlags vorwirft, „sie h√§tten die „Richtlinie gar nicht genau gelesen“. ¬† Und sie verwahrt sich gegen die Frage, ob sie ein „Zensursystem wie in China errichten“ wolle:

„Diese Anschuldigung ist unglaublich! (…) Ich werde als chinesische Diktatorin verunglimpft.“

Auch wenn es Frau Malmstr√∂m nicht gef√§llt – ihr eigener Vorschlag l√§uft doch gerade darauf hinaus, dass in der gesamten EU ein System zur inhaltlichen Filterung des Internet installiert wird. Welche Kollateralsch√§den dies im Zweifel produzieren kann, zeigt das aktuelle Beispiel von Save the Children. Und vom Problem des Overblocking v√∂llig legaler Inhalte mal abgesehen: Wer wollte wirklich darauf vertrauen, dass die Technik nicht auch zu anderen Zwecken genutzt wird. Wenn auch die Fragestellung selbst polemisch war (der Redakteur Stefan Tomik √ľberspitzt die Frage, um eine gute Vorlage zu liefern, gegen die sich dann Malmstr√∂m emp√∂rt und beleidigt verwahren kann), so bleibt auch richtig – wir sind nicht in China und d√ľrfen die, die an der Macht sind, kritisieren. Das wird sich auch Malmstr√∂m gefallen lassen m√ľssen.

Nach diesen aber eher noch harmlos-pikierten Invektiven hat sich Malmström dann warmgelaufen und behauptet u.a. (und das meiste wahrscheinlich wider besseren Wissens),

  • dass man das Problem des Overblocking legaler Inhalte nicht als Einschr√§nkung der (Informations-) und Meinungsfreiheit verstehen k√∂nne,
  • die fraglichen Seiten in L√§ndern l√§gen, mit denen die EU nicht kooperiert [Anm.: Mit den USA nicht kooperieren – dar√ľber w√ľrde man sich bei ACTA freuen],
  • die USA beim L√∂schen ineffektiv seien und
  • nur Fachleute DNS-Sperren umgehen k√∂nnten.

Und der sch√∂nste Moment der Polemik ist erreicht, wenn Censilia Malmstr√∂m die Anleitungen zur Umgehung von DNS-Sperren bei Youtube mit „Anleitungen zum Bombenbau“ vergleicht.

Man h√§tte von einer angeblich liberalen Politikerin erwarten d√ľrfen, dass sie wesentlich mehr Verst√§ndnis daf√ľr hat, wenn sich B√ľrger frei von staatlicher Beeinflussung und – bei Nutzung von Verschl√ľsselungstechniken – frei von staatlicher Observation im Netz bewegen wollen. Man sollte auch erwarten, dass die Probleme des Overblockings legaler Inhalte ernster genommen w√ľrden. Und als zust√§ndige Kommissarin k√∂nnte sie sich langsam auch mal mit dem Problem auseinandersetzen, dass Netzsperren T√§ter vorwarnen und sch√ľtzen k√∂nnen.

Von alledem war keine Spur in dem Interview zu bemerken. Censilia Malmstr√∂m hat sich entschieden – gegen liberale Vernunft und f√ľr autorit√§re Polemik. Die FDP wird sich an diesem Vorbild gewiss nicht orientieren wollen. Und mir scheint: Auch in der CDU gibt es zwischenzeitlich viele, die sich nicht auf ein so niedriges Niveau begeben w√ľrden.

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