Apr 11

Es gibt Tage, da kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Es sind dies Momente, wo das unfreiwillig Komische mit dem zeitlich Überraschenden oder Unerwarteten koinzidiert.

In dieser Woche hat sich wieder Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG zu Wort gemeldet. Wir erinnern uns. Der Axel Springer Konzern hat in diesem Jahr ein gutes Konzernergebnis erzielt und dabei insbesondere Umsatz und Gewinn im digitalen Umfeld gesteigert. Nichts destotrotz tingeln seit Monaten die Lobbyisten der Verleger und insbesondere auch von Axel Springer durch die Lande und fordern per Leistungsschutzrecht eine neue Abgabe auf Internetanschlüsse. Heise berichtet:

„Keese [Cheflobbyist der Axel Springer AG] zeichnete ein düsteres Bild des Online-Journalismus in Deutschland. Alles in allem machten deutsche Verlage mit ihren journalistischen Online-Angeboten gerade einmal 200 Millionen Euro Umsatz. ‚Das ist kein gutes Geschäft. Man kann mit Journalismus im Internet derzeit nicht verdienen.'“

Es bleibt natürlich offen, wie sich dieses Jammern und Wehklagen mit dem guten operativen Ergebnis der Axel Springer AG auch und gerade im Internet verträgt. Wie dem auch sei –  am Dienstag, den 06.04. meldet sich jetzt Mathias Döpfner mit folgender Lobpreisung von Apples iPad zu Wort:

„Ich denke, dass sich jeder Verleger dieser Welt einmal am Tag hinsetzen und beten sollte, um Steve Jobs zu danken, dass er die Verlagsindustrie rettet“.

Also, die Verlagsindustrie wartet offenbar seit Jahren darauf, dass Steve Jobs das Apple iPad auf den Markt bringt, um die Verlagsindustrie und den Qualitätsjournalismus zu retten. Wie bitte?

Angesichts dieses Gesamtbildes verwundern die Äußerungen von Mathias Döpfner doch. Je erfolgreicher Apple wird, desto mehr begeben sich die Verleger mit iPhone/iPad Applikationen in eine babylonische Gefangenschaft.

Und die Pointe: Die Applikation des Springer Verlages für das iPad funktioniert nicht einmal besonders gut. Bei netzwertig.com lautet das Resümee:

„Insgesamt muss man der ‚Welt‘-App in der heutigen Form leider das Prädikat ‚unbrauchbar‘ verleihen. (…) Die offensichtlich hinter der Applikation steckende Grundmentalität, einfach die gedruckte Zeitung eins zu eins aufs iPad bringen zu wollen, ist desaströs.“

Man ist angesichts dessen geneigt, die Äußerungen von Döpfner als subtile Form der Selbstkritik zu verstehen. Zur Rettung der Verleger von Qualitätsjournalismus hilft offensichtlich auch nach deren Meinung nur noch: Beten.

Lichtblick: Gruner & Jahr misstraut offensichtlich Apple und setzt auch auf des Konkurrenzprodukt WePad von des deutschen Anbieters Neofonie. Das WePad läuft mit dem Betriebssystem Android von – Google.

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3 Kommentare to “Qualitätsjournalismus-Verleger – Hilft nur noch beten?”

  1. Andreas Maurer sagt:

    Wenn man davon ausgeht, dass nicht nur Google sondern vor allem User Generated Content wie nach Verlegermeinung nicht leistungsschutzwürdige Blogs die „klassischen“ Medien in Bedrängnis bringen, macht das natürlich schon Sinn – wenn ich die Nutzer an meine geschlossene App binde und möglichst vom „bösen“, freien Internet fernhalte, könnte ich ja vielleicht doch den ein oder anderen Euro verdienen. Finde es übrigens eine schöne Sidenote, dass Journalismus-Professor und -Guru Jeff Jarvis gerade seinen iPad an Apple zurückgeschickt hat. 🙂

  2. admin sagt:

    @Andreas Maurer
    Das kann man gewiss so sehen. Also besser ein geschlossenes System, als den Nutzern den Zugang zum Internet eröffnen. Wenn das die Zukunft wäre, würde Mathias Döpfner gewiss nicht umsonst eine Lobpreisung gen Himmel schicken. Aber es wäre dann immer noch vernünftiger, man hätte die Plattform unter eigener Kontrolle, statt sich in die Gefangenschaft von Apple zu begeben. Das eigentlich Erstaunliche ist ja, dass offenbar die Verleger auf so ein Gerät warten – statt selbst aktiv zu werden und sich eine Plattform zu schaffen.

    Das mit Jeff Jarvis ist in der Tat eine schicke Randnotiz.

  3. Die neue Sachlichkeit » Engeln.de sagt:

    […] scheint man auf Verlegerseite in Sachen Apple und iPad Apps vom Beten Abstand zu nehmen. Die anfängliche Begeisterung der Verleger ist einer geboten kritischen Betrachtung […]

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